Open/Close Menu Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive

Alle Schulen und Bildungseinrichtungen schließen und es herrscht Ungewissheit. Die SchülerInnen sollen auf unbestimmte Zeit zu Hause bleiben. Da kommt die Frage auf: wie kann der Unterricht trotzdem fortgeführt werden? Die einzige Lösung: Lernen auf Distanz!  Und zwar synchrones Lernen auf Distanz im Live-Video Format. Dazu wurde die Online-Plattform Zoom gewählt. Wie soll die Umstellung auf das digitale Lernen via Zoom binnen kürzester Zeit erfolgen? Auf diesem Fachgebiet hatten wir bisher gar keine Erfahrung! Gleichzeitig haben auch die Eltern Interesse an einer E-Learning Plattform für ihre Kinder bekundet.

So wurde das Lehrpersonal unseres Bildungszentrums „Alpha“ in Düsseldorf vor die Aufgabe gestellt, sich genau mit dem Bereich auseinanderzusetzen, von dem wir uns zuvor ferngehalten haben. Einem Bereich, welcher in einer weit entfernten Zukunft zu sein schien. In kürzester Zeit konnten wir aber mit den ersten Unterrichtsstunden beginnen, und zwar dank der Unterstützung eines IT-Spezialisten und der hilfsbereiten Eltern und KollegInnen. Trotz Wochenendes haben wir uns innerhalb von nur drei Tagen vorbereitet und am Montag, den 30. März, den digitalen Unterricht gestartet. Ich muss zugeben, dass ich schon lange nicht mehr so aufgeregt war. Bangen vor dem Unterricht – ein Gefühl, welches ich nach 26 Jahren Berufserfahrung schon lange vergessen hatte.

Aber jetzt war es wieder da.

Vieles musste vorher vorbereitet und beachtet werden, sowohl technische als auch organisatorische und methodische Einzelheiten. Vor allem durfte die Technik nicht versagen, kein Missgeschick auftreten, nichts durfte geschehen, was wir nicht bedacht haben. Was wird passieren, wenn jemand von den SchülerInnen Probleme mit dem Ton oder der Videoübertragung hat oder gar nicht hinzugeschaltet werden kann? Wie können wir dann schnell handeln und die auftretenden Probleme lösen, ohne den Unterricht unterbrechen zu müssen? Es gab viele Fragen, aber wir haben uns dazu entschieden, uns mit den möglichen Hindernissen erst zu befassen, wenn es soweit war.

Zuerst mussten wir uns die Besonderheiten der Zoom-Plattform aneignen und es schaffen, uns darin zurechtzufinden. Im nächsten Schritt passten wir den Unterricht an die Möglichkeiten der Software an. Danach legten wir eine strukturierte Datenbank unserer SchülerInnen an und zuletzt haben wir das didaktische Material mit zusätzlichen Erläuterungen für die Eltern vorbereitet. Manchmal hält Zoom auch Überraschungen für uns bereit – nämlich Updates. Dann treten unerwartet Veränderungen auf, mit denen wir während der Videokonferenz zurechtkommen müssen. Das alles ist für den Lehrer oder die Lehrerin sehr anstrengend und selbst die 40 Minuten des Unterrichts per Videokonferenz setzen eine stundenlange Vorbereitung voraus, das tatsächliche Ausmaß können sich weder die Kinder noch die Eltern wirklich vorstellen. Diesen Prozess empfinde ich allerdings nicht als Last, sondern verspüre dabei Begeisterung und Eifer. Grundsätzlich stehe ich jeder Innovation offen gegenüber, zumal ich interaktive Methoden schon seit langem für meinen Unterricht nutze. Genau das macht meine Arbeit erst spannend, lebendig, erkenntnisreich und einzigartig. Schließlich konnte die Aufgabe, welche uns die Leitung gestellt hat, erfüllt werden – fast alle Kinder unseres Bildungszentrums nehmen nun am Online-Unterricht teil.

Besonders wollte ich den Eltern für ihre Unterstützung, Hilfe und Geduld danken, denn die erste Woche war die allerschwerste. Jetzt reicht es nicht mehr aus, die Schulsachen des Kindes zu packen und es zum Unterricht zu bringen. Nun muss auch dabei geholfen werden, das Online-Programm zu starten und es muss für eine stabile Internetverbindung gesorgt werden, denn aufgrund von technischen Störungen könnte das Kind sogar jederzeit aus der Videokonferenz rausfliegen. Außerdem müssen die für den Unterricht notwendigen Materialen vorher ausgedruckt und die Hausaufgaben später kontrolliert werden. Um das alles müssen sich nun die Eltern selbstständig kümmern und wenn es in der Familie mehr als ein Kind gibt…

Natürlich ist diese Unterrichtsform nicht die einfachste, sowohl für die Eltern als auch für die LehrerInnen: ich habe nicht die Möglichkeit, in die Hefte der Kinder reinzuschauen und zu sehen, was aufgeschrieben wird. Da stehen mir die Eltern jedoch wieder unterstützend zur Seite und die SchülerInnen selbst motivieren sich gegenseitig mit Smileys im Chat unseres Online-Unterrichts. Ja, der gewohnte direkte Kontakt fehlt trotzdem. Aber unter den Umständen der notgedrungenen Selbstisolation müssen sich alle damit abfinden, sich anpassen und offen für Veränderungen sein. Nun kann ich mit Sicherheit sagen, dass mir auch dieses Lehrverfahren gefällt. Die heutige Generation ist eine Generation, die eine hohe Affinität für Technologie besitzt und dementsprechend immer bereit ist, sich auf Neues einzustellen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand voraussehen, wie lange das Lernen auf Distanz andauern wird, aber die Erfahrungen, die wir aufgrund der aktuellen Situation sammeln, können auch in Zukunft zu unserem Werkzeug werden, indem wir virtuelles und physisches Lernen miteinander verbinden.

Zum Abschluss möchte ich den LehrerInnen, den Kindern und den Eltern weiterhin viel Geduld wünschen und meinen herzlichen Dank für Ihre Mühe aussprechen. Denn Mühe und Fleiß bricht alles Eis!

Alexandra Makarova,

Grundschullehrerin

Düsseldorf, den 21.04.2020

 

 

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