Über das Projekt

Das Projekt „Local Streetwork Online/Offline“ verfolgt das Ziel, eine salafistisch-islamische Radikalisierung zu verhindern. Dabei agieren wir mit einem sekundär – und tertiärpräventiven Ansatz. Unser Online-/Offline-Streetwork soll gewaltbereite islamisch-extremistische Radikalisierung verhindern und Distanzierungsprozesse begünstigen.

Wir nutzen verschiedene Plattformen, um mit unserer Zielgruppe in Kontakt zu treten, ihre Fähigkeiten zur Selbsteinschätzung zu stärken und sie bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu begleiten.

Dieses Projekt richtet sich zum einen an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14—27 Jahren im Düsseldorfer Raum, welche einstiegsgefährdet sind, d. h. solche, die Interesse für islamistisch-extremistische Ansichten entwickeln oder entwickelt haben und sich im Kontext gewalttätiger Ideologien radikalisieren können.

Zudem konzentriert sich unser Team auf Jugendliche und junge Erwachsene, die in islamistischen gewaltorientierten Netzwerken tätig sind. Sie befinden sich z. B. auf einer Sinnsuche, haben keine gute Bindung zur Familie, sind in online Netzwerken aktiv und lehnen die freiheitlich demokratische Grundordnung (FDGO) ab.

Local Streetwork Online/Offline ist im Januar 2020 gestartet und wird vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert. Träger des Projekts ist AVP (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive) e.V., eine NGO mit mehr als 18 Jahren Erfahrung im Bereich Migration und Jugendarbeit.

Warum dieses Projekt?

Der Verfassungsschutz NRW berichtet 2017 über die ausgehende Bedrohung von islamistischen Gruppierungen und stellt fest, dass „gewalttätige Salafisten eine Gefahr für die innere Sicherheit darstellen“. Aufgrund der staatlichen Maßnahmen befinden sich prominente ExtremistInnen entweder in Untersuchungshaft oder sie treten in der Öffentlichkeit nicht mehr auf. Diesen luftleeren Raum nutzen jedoch andere Menschen aus, die insbesondere in sozialen Netzwerken tätig sind.

Der Gebrauch sozialer Medien ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Laut einer Umfrage sind 89 Prozent der 12-19-Jährigen täglich online (JIM-Studie 2019). Für Jugendliche sind online und offline Teile derselben Realität.  Die Vorstellung von Social Media als einfache virtuelle Plattform ist nicht mehr zeitgemäß.

ExtremistInnen nutzen diesen wachsenden Trend mit der Zielsetzung, einen Zugang zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen herzustellen. Dazu werden Inhalte produziert und auf verschiedenen sozialen Netzwerken veröffentlicht und mit UserInnen ausgetauscht. Die Zielgruppe wird online angesprochen und dazu animiert, an ihren Aktivitäten teilzunehmen. Unser Team setzt sich mit dem Projekt Local Streetwork Online/Offline aktiv für den sozialen Frieden ein und möchte den Einfluss extremistischer Gruppen verhindern.

Was tun wir?

Unser Team handelt nach dem Prinzip der aufsuchenden Sozialarbeit im Online-/Offline Bereich und versucht einen Zugang zur Zielgruppe auf verschiedenen Ebenen zu gewährleisten. Online-Kontakte sollen in Offline-Begegnungen münden, d. h. es werden Anschlussmöglichkeiten an verschiedene Angebote innerhalb des Projekts aufgezeigt und dazu eingeladen.

Online sind unsere StreetworkerInnen z. B. auf verschiedenen Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Messenger-Diensten wie WhatsApp regelmäßig präsent. Sie identifizieren einstiegsgefährdete Jugendliche und junge Erwachsene anhand ihres UserInnenverhaltens und treten mit Ihnen in den Einzelkontakt.

Im Offline Streetwork nutzen wir die Vor-Ort-Aktivitäten in der Stadt. Dazu gehen unsere Offline StreetworkerInnen auf Düsseldorfer Straßen und treten direkt mit Jugendlichen und jungen Erwachsen in Kontakt. Sie leisten auf diese Weise Beziehungsarbeit und bieten Anschluss an verschiedene Online-/Offline-Angebote, wie Workshops, Kleinprojekte und Exkursionen an. In besonderen Fällen sind auch Einzelfallberatungen möglich, die sich direkt und aktiv mit den Problemlagen der Hilfesuchenden auseinandersetzen.

Online-Streetwork

Unsere Online-StreetworkerInnen klinken sich in islamistische Gruppen auf Facebook ein, kommentieren Beiträge, geben Statements ab und hinterfragen Inhalte, wo demokratie-bzw. menschenfeindliche Aussagen gemacht werden. Auffällige UserInnen werden individuell in Einzelchats angesprochen, um eine persönliche Beziehung zu ihnen aufzubauen. Diese Vorarbeit ermöglicht häufig auch die emphatische und differenzierte Auseinandersetzung mit verschwörungstheoretischen Welterklärungen oder extremistischen Narrativen. In den Online-Aktivitäten streben unsere StreetworkerInn innerhalb der Unterhaltungen den Ansatz an, mit den UserInnen kritische Inhalte, ob politisch oder religiöser Prägung, zu erfassen und genauer mit ihnen zu diskutieren. D.h. sie gehen etwa auf Begriffsbestimmungen wie Demokratiebildung oder Diversity ein. Die Zielgruppe kann dadurch von unserem Team zu problematischen Inhalten aufgeklärt und sensibilisiert werden. Einzelgespräche haben ferner zur Zielsetzung, dass die Beteiligten ihre Reflexionsfähigkeit verbessern sollen und dass sie für ihre Aussagen und Einstellungen Verantwortung tragen müssen.

Auf Instagram bewerben wir wöchentlich unsere Beiträge. Diese Plattform bietet uns die Möglichkeit, unsere Zielgruppe zu spezifizieren. Durch Illustrationen, Videos und Podcasts stellt unser Team demokratiekonforme moderate Narrative zu politischen gesellschaftlichen Themen dar. Wir nutzen attraktive Formate, wie z. B. unseren Podcast „LocalDeepTalk_OnOff“, in welchem unsere StreetworkerInnen Impulse zu den oben genannten Themen geben, Jugendlichen und junge Erwachsene lokal interviewen und ihre Meinungen in den Podcast einfließen lassen. Diese Methode bringt den Vorteil mit sich, dass die Angesprochenen zum einen dort abgeholt werden, wo sie stehen, und zum anderen das Gefühl bekommen, dass ihre Stimme gehört wird. In den Interviews lernen die StreetworkerInnen die Angesprochenen kennen und stellen einen Zugang mit der Zielsetzung einer Beziehungsarbeit her.

Offline Streetwork

Wir sind an verschiedenen Orten Düsseldorfs unterwegs und gehen auf Jugendliche und junge Erwachsene zu, um sie kennen zu lernen und einen Einblick in ihre Lebenswelt zu bekommen. Interessant sind für uns Themen wie Gesellschaft, aktuelle Politik und Religion. Es ist uns ein wichtiges Anligen, junge Menschen in Zeiten von hoher Informationsflut zu untersützen. Unsere StreetworkerInnen suchen Einstiegsgefährdete in Cafés, auf der Straße oder in Moscheen auf und stellen einen Zugang mit der Zielsetzung der persönlichen Beziehungsarbeit her. Zunächst identifizieren und lokalisieren sie relevante Hotspots, an denen sich einstiegsgefährdete Jugendliche aufhalten. Durch individuelle Ansprache treten sie mit jungen Menschen in Kontakt und sprechen mit ihnen über Themen, die Indikatoren für salafistische Radikalisierung sind, wie z. B. Diskriminierung, Rassismus, familiäre Probleme, fehlender Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz und Weltpolitik.

Wir sind jede Woche in Düsseldorf unterwegs. Dort führen wir Umfragen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu den genannten gesellschaftlich relevanten Themen durch. Wir fragen sie nach ihren Erfahrungen und bieten ihnen die Gelegenheit, ihre Gedanken, Emotionen und ihre Weltanschauung zu reflektieren. Einige dieser Erfahrungen veröffentlichen wir dann online in unserem Podcast auf Instagram.

Darüber hinaus planen und gestalten wir verschiedene Kleinprojekte und Workshops zu Themen wie Identität, Religion, Diversität u. Ä. Der Islam soll als Religion von extremistischer Ideologie entkoppelt werden. Zugleich gilt es den religiös begründeten Extremismus zu dekonstruieren und junge Menschen dafür zu sensibilisieren.

Wer wir sind?

Das Local Streetwork Team besteht aus fünf ExpertInnen aus den Feldern Islamische Theologie, Soziologie, Politikwissenschaften, Islamwissenschaften und Soziale Arbeit. Wir arbeiten seit vielen Jahren in verschiedenen Bereichen der Jugend- und Sozialarbeit und haben langjährige Erfahrung in der Prävention von religiös begründetem Extremismus. Unser authentisches Team ist kulturell und religiös divers. Diese Authentizität behalten wir uns in der täglichen Arbeit mit jungen Menschen bei.