Über das Projekt

Streetwork@online ist ein Präventionsprojekt, welches durch aufsuchende Sozialarbeit in sozialen Netzwerken den Austausch mit jungen Menschen sucht. Das Projekt wird seit Oktober 2017 von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt gefördert und hat den Fokus auf religiös begründeter Radikalisierung im islamistischen Kontext. Die Zielgruppe sind Berliner Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16-27 Jahren, die sich in Communities aufhalten, in denen islamistische Inhalte verbreitet werden, oder die selbst bereits islamistische Einstellungen vertreten Dabei kann das Projekt im Bereich der Sekundärprävention verortet werden.

Streetwork@online geht davon aus, dass Radikalisierungsprozesse eng mit der Suche nach Identität verbunden sind. In den sozialen Netzwerken stellen Jugendliche Fragen zu komplexen Themen, auf die islamistische und andere radikale Gruppierungen einfache Antworten bieten.

Mit aufsuchender Sozialarbeit in den sozialen Netzwerken (Online-Streetwork), der Plattform Iam-street Berlin und Workshops für Multiplikator*innen soll eine demokratische Debattenkultur und Medienkompetenz gefördert werden.

streetwork@online vertritt AVP e.V. als Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG RelEx) und engagiert sich im Arbeitskreis Onlineprävention im Phänomenbereich religiös begründeter Extremismus der Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. (TGS-H).

streetwork@online ist die erste Berliner Dependance von AVP e.V.

 

Warum dieses Projekt

Die sozialen Netzwerke sind ein wichtiger Faktor in der fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft. Anstatt eine einheitliche, eng vernetzte globale Welt zu fördern, formieren sich in den sozialen Medien zahlreiche einzelne Communities. Diese bilden sich auf Grund einer gemeinsam geteilten Identität. Sie kann sowohl auf einer politischen oder religiösen Überzeugung als auch auf gemeinsamen Interessen (bspw. Hip-Hop-Musik, Videospiele, uvm.) beruhen. Innerhalb der Communities wird durch geteilte Inhalte miteinander kommuniziert; dabei entstehen häufig eigene Sprachen (bspw. durch Wörter der Jugendsprache und Emoticons), die das Gemeinschaftsgefühl stärken.
Medienspezifische Phänomene, wie bspw. Filterblasen und Echokammer-Effekte, begünstigen eine Abgrenzung dieser Gruppe von der Außenwelt. Die Gruppe ist in der Folge weitgehend auf sich selbst bezogen; Meinungen werden verstärkt und wiederholt, abweichende Positionen abgelehnt.
Themen und interne Debatten folgen dort häufig einer Eigenlogik, die nur von den Teilnehmenden selbst verstanden werden kann. Die Meinungsbilder, die darin entstehen, prägen außerdem die Sicht auf und das Verhalten in der Außenwelt. So können Jugendliche in den Online-Communities sowohl eine gefestigte Identität als auch ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln: sie finden ihr digitales Zuhause.

Was tun wir?

Online-Streetwork

Online-Streetwork ist aufsuchende mobile Sozialarbeit mit dem Ziel, Menschen in problematischen Lebenslagen in deren Lebens- und Sozialraum anzutreffen, proaktiv anzusprechen und niedrigschwellige Hilfestellung anzubieten. Online-Streetworker*innen suchen – analog zu ihren Kolleg*innen offline – den Kontakt mit der Zielgruppe auf den digitalen Straßen ihrer Online-Lebenswelt. Es werden zwei Ansätze unterschieden: Content based Online-Streetwork bezeichnet die Kontaktaufnahme durch eigene Inhalte, wie Videos, Bilder oder Texte auf eigener Webpräsenz oder in relevanten Gruppen. Non content based Online-Streetwork beschreibt die proaktive Ansprache der Zielgruppe direkt in den sozialen Netzwerken bspw. durch Beiträge in Kommentarspalten oder Einzelchats.
streetwork@online arbeitet mit beiden Ansätzen: die weiter unten beschriebene Plattform Iam-street Berlin verfolgt mit narrativen Videos den content based Ansatz. Die Präsenzen von Online-Streetwork auf Facebook und Instagram und die dazugehörigen Profile der Online-Streetworker*innen bilden mit dem non-content based Online-Streetwork den Kernbereich ihrer Arbeit ab.

Die Ansprache kann sich an einzelne oder mehrere Jugendliche richten – bspw. an solche, die aktiv in Gruppen kommentieren, aber auch an die sog. „stillen Mitleser*innen“. Dabei agieren die Online-Streetworker*innen einzeln („one-to-many“) oder gemeinsam („many-to-many“). Es erfolgt außerdem eine direkte Ansprache in den Kommentarspalten, mit dem Ziel das Gespräch im Einzelchat („one-to-one“) zu führen, um so in einem geschützten Rahmen spezifischer auf die Bedürfnisse der einzelnen Personen eingehen zu können.

Online-Streetwork in den sozialen Netzwerken:

Facebook
Instagram

Iam-street Berlin

Ausgehend von der Internetplattform Iam-street Berlin wurden Videos sowie Text- und Bildmaterialien veröffentlicht. In den narrativ-erzählenden Videos kommen starke Persönlichkeiten zu Wort, die mit ihren Lebenswegen – Erfahrungen, Zielen, Leidenschaften aber auch Ängsten – Jugendliche inspirieren sollen, den eigenen Weg zu gehen.

Iam-street Berlin in den sozialen Netzwerken:

YouTube
Facebook
Instagram

Workshops für Multiplikator*innen:

streetwork@online bietet Workshops für Menschen an, die mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten. Fachkräfte sollen mittels theoretischer Grundlagen und praktischer Ansätze für die Arbeit mit jungen Menschen sensibilisiert und geschult werden. Der Fokus dabei liegt auf Online-Radikalisierungsprozessen und Ansätzen der Prävention im Phänomenbereich religiös begründeter Extremismus.

In den vergangenen Jahren fanden Workshops in Kooperation unter anderem mit Strohhalm e.V.Ipso gGmbHTransaidency e.V.Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V., der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), der Bundeszentrale für politische Bildung, verschiedenen Medienkompetenzzentren in Berlin, uvm. statt.

Seit 2020 erfolgen die Workshops vorrangig online in vier Modulen. Die Online-Workshopreihe: Islamismus in Social Media: Radikalisierungsprozesse und Prävention wird im Herbst erneut stattfinden. Hier eine Übersicht:

Modul 1: Sozialraum Social Media (27.10.2020)
Modul 2: Phänomenbereich Islamismus (03.11.2020)
Modul 3: Online-Radikalisierungsprozesse (10.11.2020)
Modul 4: Online-Prävention (17.11.2020)

Weitere Informationen und Anmeldung

Wer wir sind?

Das Team von streetwork@online kombiniert Fachwissen und Erfahrung aus den Bereichen Soziale Arbeit, Islamwissenschaften, Kultur- und Medienpädagogik, Theologie, Philosophie und Politikwissenschaften zu einem innovativen Ansatz. Unterschiedliche kulturelle und religiöse Prägungen ermöglichen uns einen empathischen und respektvollen Zugang zur Zielgruppe.

Das Projekt wird durch verschiedene Expert*innen aus den Bereichen (systemische) Beratung und Islamische Theologie beraten.

Um auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse aus der Präventionsarbeit zu bleiben und aktuelle Debatten im Themenfeld aktiv mitzugestalten, nimmt das Team regelmäßig an Fachtagungen und Fortbildungen teil.

Presse und Publikationen

Interview zum Thema „Aufsuchende Sozialarbeit in Social Media“ mit dem Infodienst Radikalisierungsprävention (bpb), 2019

Artikel „Schwester, wir müssen reden“ (von Ralf Pauli) im fluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, Ausgabe 75 (Thema: Terror), 2020

Fact Sheet „Sozialraum Social Media – Radikalisierungsprozesse und Identität online“

Kontakt
Tel: 030 – 4998 2300
Mail: info@streetwork.online
Web: www.streetwork.online